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Aus dem Archiv: Die Straßen in der Stadt Dingelstädt (2/2)
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Samstag 31 Jan 2026 · Lesezeit 4:00
Tags: Dingelstädt
„Die „Lippe“ ist eine enge, aber dicht bebaute Straße. Der Name „Lippe“ bedeutet „enger Durchgang", Im Jahre 1868 wurde von der „Lippe“ eine Verbindung zur „Kefferhäuser Straße“ geschaffen. Dies war möglich, weil die Familie Werkmeister das Erdgeschoß ihres quer zur „Lippe" stehenden Wohnhauses auf Abbruch an die Stadt verkaufte. Die Straße führte nunmehr durch ein überbautes Tor unter dem ersten Stockwerk des Hauses hindurch, weshalb man die Straße jenseits des Durchbruchs als „Torstraße“ benannte. Der freie Platz inmitten der Stadt, heute „Platz der DSF“, hieß früher „Anger“. Er lag einst außerhalb der Schutzmauer und reichte von dieser bis zum Wasserlauf des Siechen. Im Osten geht der Platz in „Graben“ und „Kerf“ über. Der „Graben“ ist Straße und Flußbett zugleich. Den größten Teil des Jahres über liegt der „Graben“ trocken, und nur bei anhaltenden Regenfällen bzw. bei der Schneeschmelze füllt er sich mit Wasser, das schließlich in die Unstrut fließt.

Der „Kerf“ ist eine Gasse, die in einem geöffneten Viereck die St. Marienkirche in ihrer Mitte hat. St. Marien ist die älteste Kirche der Stadt und wurde 1838 nach dem großen Brande wieder aufgebaut.
Mitten in der Stadt verlaufen noch die Straßen „Am Mühlwehr“ und „An der Unstrut“. Das Mühlwehr verbreitert sich bei der Großen Mühle über die „Karl-Marx-Straße“ und bildet dann den „Plan“, von dem man durch die schmale „Nuddelgasse" in den „Graben“ gelangen kann. Der „Plan“ wird durch die Unstrut in zwei Straßenteile getrennt.
Die Straße „An der Unstrut“ wird auch „An der Rieh“ genannt. Als nämlich im Jahre 1838 die untere Altstadt fast vollständig abbrannte, sagten die Bewohner der Oberstadt zu den in dieser Straße wohnenden: „Jetzt sit ihr an der Rieh“. Die Verbindungen zwischen der „Geschwister-Scholl-Straße“ und dem Mühlwehr heißen „Schmiedsgasse“ (hier wurde lange Zeit eine Schmiede betrieben), „Doktorgasse“ (benannt nach dem Arzt Dr. Karl Strecker) und „Brückenstraße“. Die „Brückenstraße" war früher eine unbefestigte, enge Gasse, und über die Unstrut führte nur ein Steg.

Als 1885 der „Eichsfelder Hof“ im Osten neu gebaut wurde, füllte man mit dem anfallenden Bauschutt diese Gasse auf und planierte und pflasterte sie schließlich. Nachdem man bereits 1891 über die Unstrut eine Brücke gebaut hatte, nannte man die Straße „Brückenstraße“. An kleinen Straßen und Gassen sind noch zu nennen die Häuserreihe „Bei der Kirche“, die „Pfarrgasse“, die von der Gertrudenkirche zum Pfarrhaus führt, der „Winkel“, eine stille Ecke hinter der Großen Mühle, die „Gartenstraße“, die von der unteren „Karl-Marx-Straße“ zum „Rasenweg“ und zur „Silberhäuser Straße“ führt und auch „Dreckgasse" genannt wird.
In der Oberstadt ist der „Riethstieg“ zu nennen. Früher war dies der „Stieg“, der von der Stadt durch die „Aue“ ins „Rieth“ führte. Das erste Gebäude an dieser Straße war das 1864/65 erbaute St. Josef-Institut. Die übrigen Häuser sind alle erst nach 1885 gebaut worden, nachdem der ehemalige „Stieg“ verbreitert und befestigt worden war. 1844 war bereits der alte Friedhof am „Riethstieg“ angelegt worden. Der „Riethstieg“ ist durch die „Von-Hagen-Straße“ nach Norden hin mit der „Heiligenstädter Straße“ verbunden. Der Name dieser Straße soll die Erinnerung an den einstigen Bürgermeister Richard von Hagen wachhalten, der von 1896 bis 1908 die Geschicke der Stadt lenkte und leitete und sich große Verdienste um das Gemeinwesen erwarb. Früher hieß diese Straße „Feldstraße“. Sie hatte nur nach Osten hin eine Häuserreihe, nach Westen breiteten sich Felder aus.

Die „Neue Straße“ liegt auf der gegenüberliegenden Seite. Sie ist die Fortsetzung der „Lindenstraße“ nach Westen hin. Ursprünglich hieß diese Straße „Kleine Gasse“. Die Häuser in der unteren „Bahnhofstraße“ wurden um 1832 errichtet, die in der mittleren nach 1880 und jene im oberen Teil, mit wenigen Ausnahmen, erst nach 1918. Von der „Silberhäuser Straße“ führt nach Süden der „Rasenweg“, auch „Schießbahn“ genannt. Der Name „Schießbahn“ erinnert daran, daß bis 1868 auf dem „Schweinerasen“ die Schützenfeste gefeiert wurden.

Abschließend sollen noch die Straßen genannt werden, die erst in den letzten Jahrzehnten und in allerjüngster Zeit ausgebaut bzw. gänzlich neu angelegt wurden: „Steinstraße“, „Poststraße“, „Aue“, „Bergstraße", „Obere Birkunger Straße“, „Waldstraße“, „Kerflede“, „Steinufer“, „Wolfskuhle“, „Weihbühl“, „Kefferhäuser Straße“, „Im Dosborn“, „Leninstraße“, „Siedlung“ und „Baumgartenweg“.
An der „Bergstraße“ wurden während der letzten Jahre Bungalowhäuser errichtet. Zur Zeit werden moderne Einfamilienhäuser am „Baumgartenweg“ und „Rasenweg“ gebaut.“

Quelle: Eichsfelder Heimathefte 2/83, Heinz Nelz – Bild: Untere Wilhelmstraße um 1930 © Thomas Schuster Heiligenstadt



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