Aus dem Archiv: Die Straßen in der Stadt Dingelstädt (1/2)
„Dingelstädt verdankt seine Entwicklung in einem hohen Maße seiner günstigen Lage im Straßennetz. Bereits im Mittelalter durchschnitt eine wichtige Verbindungsstraße zwischen den alten sächsischen Ländern und Thüringen das Eichsfeld. Sie verlief von Braunschweig über Osterode - Wulften - Gieboldehausen - Duderstadt - Rotheberg - Reinholterode - Heiligenstadt - Dingelstädt (oder Wachstedt) - Mühlhausen nach Erfurt.
In einem Verzeichnis der Geleitstraßen aus dem Jahre 1609 heißt es:
„Die geleidtsstraßen von Mulhaußen uff Dingelstaht, heiligenstaht, gehet auff oder ann bey der Oppenthaler Warthe, in der Landwehr uf das Siechenhauß.“
Diese Straße verlief von Mühlhausen über Lengefeld - Lengefelder Warte - Dingelstädt - Geisleden - Heiligenstadt - Siemerode - Bischhagen - Bremke nach Göttingen.
Außer dieser Hauptverkehrsstraße stellte ehedem noch eine andere freilich weniger wichtige Straße die Verbindung mit dem Norden her. Es handelt sich um die einstige Landstraße, die von Dingelstädt aus mit beträchtlicher Steigung über den Dün nach Reifenstein führte. Diese alte Straße liegt heute als ausgefahrener Feldweg „tot“. Als Ersatz wurde im Jahre 1834 die neue Kunststraße Dingelstädt - Kallmerode - Leinefelde - Worbis - Duderstadt gebaut. Nur lokale Bedeutung hatte die Straße von Dingelstädt über Wachstedt und Großbartloff nach Geismar. Mit dem Bau der Straße von Dingelstädt nach Küllstedt begann man im Jahre 1852. Im Jahre 1854 wurde auch der Feldweg nach Silberhausen zu einer festen Straße ausgebaut. Der „Beuersche Weg“ in Dingelstädt erinnert daran, daß einst eine direkte Verbindung über den Hockelrain zwischen Dingelstädt und dem Dorf Beuren bestand.
Die Zielrichtung hat den zahlreichen Ausfallstraßen der Stadt die Namen gegeben: „Heiligenstädter Straße“, „Birkunger Straße“, „Küllstedter Straße“, „Kefferhäuser Straße“ (ein Teil dieser Straße heißt „Hinter den Höfen“, die höchste Stelle nennt man „Kalte Quinte“), „Mühlhäuser Straße“ (jetzt „Karl-Marx-Straße“), „Silberhäuser Straße“ und „Wachstedter Straße“. Die Hauptstraße Dingelstädts, durch das Zentrum führend, hieß einst „Lange Straße“, später „Wilhelmstraße“ und heißt jetzt „Geschwister-Scholl-Straße“.
Parallel zur „Geschwister-Scholl-Straße“ verläuft die „Lindenstraße“. Sie ist über 130 Jahre alt. Das erste Haus an derselben, die jetzige Konsum-Gaststätte „Zur Linde“, wurde 1848 erbaut. Pfarrer Heinevetter hatte, um die unschönen, verwahrlosten Gebäude der „Langen Nacht“, eine Häuserreihe nördlich der Gertrudenkirche, zu verdecken, eine Reihe von Linden anpflanzen lassen. Sie gaben der neuen Straße ihren Namen.
Quelle: Eichsfelder Heimathefte 2/83, Heinz Nelz – Bild: Dingelstädt - Göringstraße um 1935 © Thomas Schuster Heiligenstadt