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Aus dem Archiv: Die Heiligen Drei Könige in der Goldenen Mark
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Dienstag 06 Jan 2026 · Lesezeit 2:45
Tags: Dreikönigstag
„In der Goldene Mark Duderstadt war das Dreikönigssingen bis zum Anfange der siebziger Jahre noch in Gebrauch. Diejenigen Personen, welche früher in der Weihnachtszeit mit den hl. drei Königen in den Ortschaften der Goldenen Mark umherzogen, stammten aus der Stadt Duderstadt. Es waren unbemittelte Leute, die sich dadurch in der genannten Zeit einigen Lebensunterhalt verdienten. Der Schaukasten, den sie dabei trugen, war folgendermaßen eingerichtet:

Auf einer Stange von eineinhalb Meter Länge war ein hölzerner Kasten befestigt, der einen halben bis dreiviertel Meter lang und ein drittel Meter breit und hoch war. Dieser Kasten zerfiel in drei Teile. Auf der einen Seite befanden sich die hl. drei Könige und auf der andern das Jesukind in der Krippe, die Mutter Gottes und der heilige Joseph. In der Mitte war der König Herodes mit seiner Frau. Die Figuren hatten eine Höhe von etwa 25 cm und waren mit bunten Gewändern bekleidet. Auf dem Haupte trugen sie mit Ausnahme der hl. Familie eine Krone. Die Glieder des Körpers waren mit Draht zusammengehalten, sodaß sie leicht durch eine Kurbel, die sich am Kasten befand, in eine nikende Bewegung gesetzt werden konnten. Der Rasten war vorn durch eine Glasscheibe abgeschlossen, durch die man die hl. Familie und die hl. drei Könige sehen konnte. Das Abteil des Herodes hatte einen Fensterladen, der durch das Ziehen einer Schnur sich öffnete und wieder schloß. Oben auf dem mit bunten Farben bemalten Kasten befand sich an einem kurzen Stabe ein vergoldeter Stern.

In Duderstadt zogen meist zwei Knaben, die im Tragen des Schaukastens wechselten, vor den Häusern der Bürger umher und sangen das Dreikönigslied. Hierbei wurde die Kurbel gedreht, sodaß die drei Könige mit dem Kopfe nickten. Kamen die Sänger an die Stelle des Liedes: „Herodes guckte zum Fenster heraus“, so wurde die Schnur unter dem Kasten gezogen, der Fensterladen öffnete sich, und Herodes schaute heraus.

Die Sänger erhielten vor den Häusern kleine Geldmünzen. Auf den Dörfern waren sie von einem oder mehreren weiblichen Wesen begleitet, die eine große Kiepe auf dem Rüden trugen. Denn die Bauern gaben kein Geld, sondern Kuchen, der in die Kiepe gepackt wurde. Das Umherziehen mit den drei Königen fiel in die Zeit von Weihnachten bis Mitte Januar. Das Lied, das dabei gesungen wurde, hatte folgenden Wortlaut:

Es kamen wohl her aus aller Gefähr
Die hl. drei Könige mit ihrem Stern.

Sie kamen wohl vor Herodes sein Haus,
Herodes gucke zum Fenster heraus.

Herodes sprach in seinem Sinn:
„Wo seid ihr gewesen, wo wollt ihr hin?“

„Nach Bethlehem, nach Davids Stadt,
Wo's kleine Kindlein geboren ward.

Ein kleines Kind, ein großer Gott,
Der Himmel und Erde erschaffen hat.“

Ich wollt‘ Ihn‘n eine kleine Verehrung geben,
Auf daß Ihr sollt im Frieden leben,

Im Frieden leben immerdar,
Das wünsch' ich Euch im neuen Jahr!
Quelle: Unser Eichsfeld Band 1 1906 – Bild: Heiligen drei Könige auf dem Weg zur Krippe – St. Severi Erfurt 2025 © Thomas Schuster Heiligenstadt



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