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Aus dem Archiv: Die Davidsburg auf dem „Köpfchen“ bei Beinrode
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Donnerstag 05 Feb 2026 · Lesezeit 4:00
Tags: DavidsburgKöpfchenBeinrode
Östlich von Beinrode in Richtung der Mülldeponie auf dem 403 m hohen „Köpfchen“ befand sich eine hochmittelalterliche Herrenburg. Hierzu schrieb Elmar Golland folgenden Artikel:

„… Die Anlage befindet sich am nordöstlichen Rand des Hochplateaus auf dem „Köpfchen“. Sie besteht aus einer Kernburg, der, durch Graben getrennt, ein größeres Objekt vorgelagert ist. Diese Vorburg wird durch einen Wall mit Graben geschützt. Wie üblich, scheint der Eingang an der linken Seite gelegen zu haben, denn hier lassen die oberirdischen Reste diesen Schluß zu. Wahrscheinlich konnte sich diese Anlage so lange dem öffentlichen Interesse entziehen und in der Anonymität bleiben, weil bislang eine vorliegende Quelle nicht auf diese Anlage auf dem „Köpfchen“ bezogen worden ist.

Ähnlich verhielt es sich mit der Burg Birkenstein. Johann Wolf kannte deren genauen Standort noch nicht, wußte aber aus verschiedenen Urkunden, daß es diese Burg gegeben hatte. Erst Levin v. Wintzingeroda-Knorr ging in seinen „Wüstungen“ näher auf den Burgplatz ein. In eben demselben Werk findet sich nun auch ein Hinweis auf die mutmaßliche urkundliche Ersterwähnung und Benennung der oben erwähnten befestigten Anlage. Unter der Nr. 124 veröffentlicht Wintzingeroda-Knorr eine Urkunde, die wahrscheinlich am 9. August 1303 in Fritzlar ausgestellt worden ist. In ihr heißt es, daß nicht lange danach (vielleicht nach dem Erwerb des Eichsfeldes durch den Erzbischof von Mainz im Jahre 1294) Erzbischof Gerhard II. die Hälfte der Burg David nahe beim Scharfenstein mit allem was dazugehört dem Friedrich v. Rostorf und dem Hildebrand v. Hartenberg als Pfand überläßt unter der Bedingung, daß der Erzbischof immer über diesen Teil verfügen kann und der Eintritt ihm stets offensteht. Die beiden genannten Pfandinhaber sind für die eichsfeldische Regionalgeschichte keine Unbekannten. Friedrich v. Rostorf war als mainzischer Beamter von 1296 bis 1318 auf dem Eichsfeld tätig, und er ist einer der in der Verkaufsurkunde des Eichsfeldes aufgeführten Zeugen (1494). Hildebrand v. Hardenberg wird in Urkunden zwischen 1305 und 1327 als miles erwähnt.
Wintzingeroda-Knorr war die Lage des castrum David „völlig unbekannt“. Er vermutete sie an der Stelle der späteren Beisenburg unterhalb des Scharfensteins oder an der Stelle des einstigen Vorwerkes Steinhagen bei Kreuzebra. Beide Objekte zeigen aber in ihren Überresten keinerlei Ansätze für eine Rechtfertigung dieser Vermutung. Schon die Bezeichnung castrum läßt auf eine größere, befestigte Anlage schließen. Bestärkt wird deshalb die Vermutung, daß es sich bei dem „castrum David prope Scharfenstein“ um die Anlage auf dem „Köpfchen“ handelt.

Wahrscheinlich diente die Feste dem Schutz der hochmittelalterlichen Geleitstraße. Durch das Eichsfeld führte nämlich eine wichtige West-Ost-Straße von Kassel über Witzenhausen, Heiligenstadt, Nordhausen, den Harz umziehend, nach Magdeburg, „Hohe Straße“ genannt. Sie war eine Durchgangsstraße ersten Ranges, folgte der von der Natur vorgeschriebenen Richtung und hielt sich auf dem trockeneren und festeren Gelände in gewisser Entfernung von der Tallinie der Leine und Wipper. Von Witzenhausen führte sie am Arnstein vorbei über Bornhagen nach Uder und Heiligenstadt. Hier traf sie auf die Geleitstraße, die von Thüringen über Mühlhausen nach Duderstadt und weiter in den deutschen Norden führte. Ab Heiligenstadt wandte sich die „Hohe Straße“ nach Beuren und führte von dort über Beinrode, Birkungen, Rüdigershagen, Deuna und Rehungen nach Nordhausen. So befand sich die Burg an strategisch wichtiger Stelle. Die zu ihren Füßen liegende Siedlung Beinrode wird bereits 1348 erstmalig erwähnt und bildete wahrscheinlich als Wirtschaftshof mit der befestigten Anlage auf der Höhe eine Einheit. Somit dürfte die Bezeichnung castrum David eher auf die Burg auf dem „Köpfchen“ als auf die oben genannten Plätze zutreffen.

Leiden konnten bis jetzt keine weiteren schriftlichen Belege für diese hochmittelalterliche Herrenburg ausfindig gemacht werden, die zum Zeitpunkt der Ausstellung der Verkaufsurkunde vom 15. November 1294 bereits mainzisches Eigentum gewesen sein dürfte. Wie der benachbarte Birkenstein wird die Davidsburg, mitten in den mainzischen mitteldeutschen Besitzungen liegend, nach und nach ihre Schutzfunktion verloren haben, und sie fiel für Jahrhunderte in die Anonymität und Vergessenheit. Das vermutlich als Wirtschaftshof dienende Beinrode ist erst wieder 1469 als Wüstung nachweisbar. Vielleicht stecken in den Mauern des späteren Klosterhofes Beinrode noch Reste der einstigen hochmittelalterlichen Burg.“

Quelle: Eichsfelder Heimathefte 2/83, Elmar Golland - Bild: Bild: Rekonstruiert von KI auf meinem Bild. Die Aufnahme stammt vom Parkplatz Edeka in Leinefelde. Oben im Bild der Grundriss der Burg. Rechts unten das Gutshaus von Beinrode.



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