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Aus dem Archiv: Der Name des Hülfensberges
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Sonntag 15 Mär 2026 · Lesezeit 3:00
Tags: Hülfensberg
Ich habe einen interessanten Artikel von Dr. Erhard Müller gefunden, der über den Namen „Hülfensberg“ recherchierte. Ich habe im Artikel die Quellangaben bewusst weggelassen, um ihn flüssiger zu lesen. Den Originalartikel findet ihr in der unten genannten Quelle.

Der Name des Hülfensberges
„Annähernd 60 urkundliche Belege wurden von diesem Namen gesammelt. Im ältesten Beleg, der aus dem Jahre 1352 stammt, sind bereits beide Namen des Berges, „Staufenberg“ und „Hülfensberg“, enthalten: „mime Herren Sente Hulfen und siner Kercken zu Stoffenberg“.
Der ältere Name ist „Staufenberg“, nach der Form des Berges … Mittelhochdeutsch „stouf“, germanisch „staupa“ = Becher ohne Fuß, kegelartige Bodenerhebung, hochragender Felsen. … Es gibt viele Berge dieses Namens, der berühmteste ist der Hohenstaufen, nach dem sich das glanzvollste deutsche Kaisergeschlecht des Mittelalters benannte.
Werfen wir einen Blick auf die einzelnen urkundlichen Belege. Die reine mittelhochdeutsche Form „Stoufenberg“ begegnet 1363. „Stoffenberg“ (1352) ist mundartlich gefärbt (ou ist zu o geworden). „Stuffenberg“, das häufig wiederkehrt, ist ebenfalls mundartlich (o wird zu u) …

Vielleicht spielt hier auch die Volksetymologie eine Rolle: besonders der obere Teil des Berges steigt stufenförmig an. „Steuffenberg“ (1367) ist ebenfalls mundartlich für „Stoufenberg“ (vgl. mundartlich „koifn“ = so gesprochen, für „kaufen“, das jedoch nicht auf mittelhochdeutsch „koufen“, sondern auf „köufen“ zurückgeht, wie es z. B. im Schlesischen weit verbreitet war.
Germanisch au wird im Höheneichsfeldischen zu oi (hier geschrieben eu). Seit dem 17. Jahrhundert verschwindet der alte Name des Berges und an seiner Stelle wird „Hülfensberg“ herrschend.

Dieser Name leitet sich, wie der älteste Beleg deutlich macht, von dem „Herren Sente Hulfen“ her, welchem die „Kercken zu Stoffenberg“ geweiht war. 1362 finden wir die lateinische Bezeichnung in den Urkunden „mons sancti Salvatoris“ = Berg des heiligen Erlösers, des Helfers (in der Not). Er ist, wie gesagt, der Patron der Kirche auf dem Hülfensberge. 1364 begegnet wiederum die deutsche Übersetzung „zu sente gehulffin“. 1397 stehen beide Namen, der lateinische und der deutsche, nebeneinander. … 1370-1478 tritt uns die niederdeutsche Form „to sunte Hulpe“ mit unverschobenem p entgegen und 1518 „S. Hulpesberg“. (Bekanntlich kamen viele Pilger aus den Hansestädten Bremen, Lübeck.) Irrig ist die Auffassung, den Namen von „Stuffo“ abzuleiten, wie der Beleg von 1604 dartut. Auffallend ist die immer wiederkehrende Schreibung mit u (Sente Hulfen, gehulffin, Hulpe, Gehulffin Berg, Hulpesberg etc.), während solche mit ü (gehülffenberg) in ältester Zeit selten sind. Belege mit i konnten nur 2 gefunden werden. Da das umgelautete u/ü in der Schrift verhältnismäßig spät bezeichnet wurde, haben wir ü zu lesen, auch wenn u geschrieben wird. Die heutige Form „Hülfensberg“ geht auf mittelhochdeutsch „gehülfe“ zurück.

„Über die Bonifatiustradition, die zum erstenmale 1575 und dann öfter urkundlich bezeugt wird, soll hier keine kritische Untersuchung angestellt werden, auch nicht darüber, ob unser eichsfeldisches Geismar, im Volksdialekt „Jäisme“ gesprochen, das in der Lebensgeschichte des heiligen Bonifatius von Willibald vorkommende Gaesmere ist, und ob hier die dort erwähnte und vom Heiligen gefällte Donareiche gestanden haben kann. Darüber ist in den verflossenen Jahren viel geschrieben worden, ohne daß es bisher gelungen wäre, die Streitfrage allseitig zu lösen.“

Von Pater H. Schwedthelm, O. F. M., aus: „Der Hülfensberg“, Verlag F.W. Cordier

Quelle: Eichsfelder Heimatbuch 1956, Dr. Erhard Müller - Bild: Hülfensberg um 1900 Otto Thomasczek



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