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Aus dem Archiv: Der Festumzug war wieder Höhepunkt
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Heiligenstadt · Montag 25 Mai 2026 · Lesezeit 4 Minuten
Tags: HeimensteinerKirmes
"Reich ist das Eichsfeld an althergebrachtem Brauchtum, das als kulturelles Erbe von Generation zu Generation weitergegeben wird und heute im Kulturleben seinen festen Platz hat. Und zu jenen traditionellen Volksfesten, die schon seit Jahrhunderten bestehen und sich ihren besonderen Charakter bewahrt haben, gehört eine der schönsten Eichsfelder Kirmesfeiern, die der Heimensteiner in Heiligenstadt.

Es soll am 2. Pfingsttag des Jahres 1397 gewesen sein, als die Bewohner vom Heimenstein in der kleinen Kirche auf dem Klausberg zur Andacht versammelt waren. Plötzlich meldete ein wachhabender Bürger, Kriegsleute mit dem Wappen derer von Hüchelheim und Egelsburg näherten sich der Stadtmauer. Den Heimensteinern war bekannt, daß der Graf vom Heimenstein mit dem Ritter von Hüchelheim in Fehde lag. Sogleich bewaffneten sich die Heimensteiner Männer und kämpften Seite an Seite mit den Knechten ihres Grafen gegen die bereits in die Stadt eingedrungenen Feinde. Nach erbittertem Ringen gelang es, die Hüchelheimer und Egelsburger zurückzutreiben. Der Sieg wurde zünftig gefeiert. Und aus Dankbarkeit über die Hilfe der Bewohner vom Heimenstein bestimmte der Graf vom Heimenstein, daß künftig an jedem 2. Pfingsttag ein großes Fest auf dem Klausberg gefeiert werden sollte. Damit war, so die Überlieferung, der Grundstein für die Heimensteiner Kirmes gelegt. Und so wird seit rund 600 Jahren jeweils am Pfingstmontag und drei weiteren Tagen die Kirmes begangen, wobei das eigentliche Kirchweihfest noch weiter zurückreicht.

Gewiß hat sich im Laufe der Zeit dieses und jenes im Gepräge der Kirmesfeier verändert. Aber von ihrer Eigentümlichkeit hat die Heimensteiner Kirmes nichts verloren. Da wird heute noch wie vor undenklichen Zeiten während der Kirmes ein „Schulzenamt“ eingerichtet, wo der von der Kirmesgemeinde gewählte Bürgermeister „residiert“. Da gibt es auch ein „Standesamt“ sowie einen Aushang mit „amtlichen Bekanntmachungen“, die in der Regel mit mancherlei Scherz verbunden sind. Selbstverständlich werden auch „Platzmeister“ gewählt und auf dem Festplatz vor der Klauskirche tüchtig getanzt. Eine Besonderheit bringt der Mittwoch nach Pfingsten. Nach altem Brauch treffen sich die Aktiven der Kirmesgemeinde dann zum Heringsessen, das von den Frauen der Kirmesorganisatoren zubereitet wird. Nach diesem originellen Frühstück ziehen die Platzmeister – begleitet von den Kirmesburschen, die mit Topfdeckeln und anderen Lärminstrumenten für die „Blechmusik“ sorgen – von Haus zu Haus und verkaufen den Heimensteinern kleine Heringsstücke, gegen einen kleinen Obolus für die Kirmeskasse, versteht sich.

Den Höhepunkt jeder Kirmes bildet jedoch am Pfingstmontag der von den Heimensteinern gestaltete Festumzug. Dafür werden jedes Jahr nach einem bestimmten Motto verschiedene Kirmeswagen dekoriert mit Szenen aus der Stadtgeschichte. Aber auch berittene Herolde, Frauen in alten Eichsfelder Trachten, eine Kutsche mit Ehrengästen und verdienstvollen Heimensteinern und anderes mehr gibt es zu sehen. Welch großes Interesse dieser Festumzug stets findet, zeigte sich auch bei der diesjährigen Kirmes, wo der farbenprächtige Umgang rund 3500 Zuschauer aus nah und fern anlockte.

Was die zahlreichen Gäste des Volksfestes auf dem Heimenstein nicht sehen, ist die umfangreiche Arbeit der Männer vom Kirmesvorstand und der anderen Helfer. Denn schon Wochen vor der Kirmes beginnen sie mit den mannigfachen Vorbereitungen, die von der Gestaltung des Festplatzes bis hin zum Zusammenstellen des Festumzuges reichen. Vor allem sind es der Festausschußvorsitzende Ignaz Klingebiel, der 1. Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Helmut Thüne, der „Ehrenvorsitzende“ Eduard Anhalt, Bernhard Sippel, seit über 20 Jahren „Kirmes-Schulze“, Schriftführer Heinz Schotte sowie Hans-Karl Anhalt (er feiert in diesem Jahr sein „25jähriges“ als 2. Vorsitzender des Kirmesvorstandes), die gemeinsam mit anderen Aktiven die Tradition der Heimensteiner Kirmes wahren und dafür sorgten, daß auch das Volksfest 1982 wieder ein Erfolg wurde.“

Quelle: Thüringer Tageblatt vom 17.6.82, Ernst Beck - Bild: Heimensteiner Kirmes 1989 © Thomas Schuster


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