Aus dem Archiv: Der erste Tote im preußisch-österreichischen Krieg 1866
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Montag 03 Aug 2026 · 3 Minuten
Tags: Bischhagen, 1866
Tags: Bischhagen, 1866
„Die Entscheidung im Kriege zwischen Preußen und Österreich um die Vorherrschaft in Deutschland konnte selbstverständlich nur auf dem österreichisch-preußischen Kriegsschauplatz fallen, während die anderen Kriegsschauplatze nur geringe Bedeutung für den Ausgang des Krieges hatten. Unser Eichsfeld sah den Durchmarsch der Hannoveraner, der am 21. Juni durch das Überschreiten der Grenze zwischen Bremke und Bischhagen angetreten wurde. Die Hannoveraner wollten erst die Straße bis Heiligenstadt benutzen, dann in zwei Kolonnen über Mühlhausen und Wanfried nach Eisenach marschieren, um sich mit den Bayern zu vereinigen. Am 21. Juni, morgens um 4 Uhr, begann der Abmarsch der Armee aus Göttingen. Der blinde König Georg V. und der Kronprinz begleiteten die Armee. Beim letzten Dorfe seines Königreiches, Bremke, wurden der König und seine Armee durch den dortigen Pastor Herminghausen mit einem Segensspruche gesegnet. Beim Gut Vogelsang wurde die Grenze überschritten. Die Hannoveraner sangen vergnügt: „O Hannes, wat‘n Hoat!“, doch verstummte die gemütliche Stimmung bald. Auf dem Marsche durch das Eichsfeld hatten die Truppen unter sengender Glut und vielem Staub zu leiden. Die preußischen Eichsfelder kamen den Truppen freundlich entgegen, erquickten sie mit Speise und Trank. Die Patrouillen der Hannoveraner stießen bald auf preußische Vorhuten. Plötzlich waren ihnen zwischen Witzenhausen und Hohengandern, beim Schlosse Arenstein, 12 Mann des 2 rheinischen Husaren-Regiments Nr. 9 unter Leutnant v. Houten gegenüber. Im Moment des Zusammenstoßes traf der hannoversche Rittmeister und Schwadronchef v. d. Wense ein und ritt zwei rheinische Husaren mit dem lauten Zurufe: „Schlagt die Kerle auf die Köpfe!“ über den Haufen, stürzte aber selbst dabei mit seinem Pferde kopfüber in den Straßengraben.
Er raffte sich schnell wieder auf, erhielt aber von einem der gestürzten Husaren, den er zur Ergebung aufgefordert hatte, einen Hieb über den Kopf, während er den Husaren an der Schulter schwer verwundete. Währenddessen hatte der Wachtmeister der hannoverschen Schwadron den preußischen Leutnant v. Houten angegriffen und ihm die Klinge aus der Hand geschlagen, musste aber jetzt seinem Rittmeister v. d Wense zu Hilfe kommen. Unterdessen hatte sich auch der zweite, vom Rittmeister v. d. Wense Niedergerittene, Husarengefreiter Schiffmann, wieder erhoben und seinen Karabiner auf den hannoverschen Rekruten Holti angeschlagen. Holti aber kam dem Angriff seines Gegners zuvor und hieb ihm mit seinem Säbel den Kopf glatt vom Rumpfe. Von den übrigen Preußen wurden 6, darunter 3 Verwundete, gefangengenommen, auch wurden 7 Pferde erbeutet. Leutnant v. Houten feuerte mehrere Schüsse aus seinem Revolver ab und dadurch gelang es ihm, nach Süden zu entkommen und Meldung über die Annäherung der Hannoveraner zu erstatten. Er erhielt dafür den „Roten Adlerorden“. Ein Fuhrmann aus Hohengandern brachte den gefallenen Peter Schiffmann nach Uder. Die Leiche wurde noch am selben Tage abends 7 Uhr mit militärischen Ehren und unter allgemeiner Beteiligung der Einwohner beerdigt. Er war der erste Tote dieses Krieges, in dem Deutsche gegen Deutsche kämpften. Das Sandsteindenkmal in Uder auf seinem Grabe möge uns mahnen, daß wir es nie mehr zu einem Kriege zwischen Deutschen kommen lassen dürfen.“
Quelle: Walter Prochaska: „Eichsfelder Heimatbuch“ 1956 Rat der Stadt Heiligenstadt, B. Siebert – Bild: Detail einer Postkarte um 1920 aus dem Fundus Franz Bader © Thomas Schuster Heiligenstadt