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Aus dem Archiv: Das große Aufräumen

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Heiligenstadt · 22 Juli 2020
Tags: Heiligenstadt1811FranzösischeZeit
Präfekt von Bülow hatte große Pläne mit Heiligenstadt — Umgestaltung von Grund auf

"Vertiefen wir uns in die Karte von Heiligenstadt, die der Udersche „Pastor Flucke“ 1646, also noch während des 30jährigen Krieges gezeichnet hat, können wir uns vorstellen, wie Heiligenstadt vor dem großen Brande von 1739 ausgesehen hat. Im Lingemannschen Plan von 1800 vermissen wir schon viel. Das große „Aufräumen“ hat erst in der Franzosenzeit 1811 begonnen. Der Präfekt von Bülow wollte die Hauptstadt des Harzdepartements von Grund auf verschönern.

Nach dem von Bülow aufgestellten Verschönerungsplan sollten die Straßen gepflastert, Trottoire gebaut, die drei Torgebäude abgebrochen und zwischen den Pfeilern Gatter angelegt, die Stadtmauer ganz oder auf die Höhe von sechs Fuß abgebrochen werden. Außerdem sollte der Kreuzgang an der Bergkirche abgebrochen werden, ferner der Turm an der Geislede, „in dem ehemals das Wasser in die Höhe getrieben ist“, ferner das „alte Gemäuer“ auf dem Heimenstein. Das gewonnene Material sollte für die Straßen verwandt oder versteigert werden. Die Lindenallee sollte einen gewölbten Kanal bekommen und in einen besseren Zustand versetzt werden. Die ehemaligen Kirchhöfe (Altstädter, Neustädter und Berg) müßten eingeebnet und mit Bäumen bepflanzt werden. Der neue Friedhof vor dem Geisleder Tor wäre nach der Art des „berühmten Friedhofs in Dessau zu bepflanzen. Auch schöne Promenadenwege wurden geplant ...“. Das nötige Geld sollte aus dem Budget, dem Verkauf eines Teils der Stadtmauer, Grundstücksverkauf, Zuschüssen der Regierung und Sammlungen beschafft werden.

Am 30. August 1811 wurde der Verschönerungsplan dem Stadtrat vorgelegt. Mit der Herstellung von Bürgersteigen und dem Abbruch der Stadttore, besonders des „lästigen“ Holzbrückentores (Göttinger), war man sofort einverstanden. Nicht einverstanden war der Stadtrat mit dem völligen Abbruch der Stadtmauer. Man einigte sich auf acht bis zehn Fuß Abtrag. Der Kreuzgang an der Bergkirche, der Turm an der Geislede und die Liboriuskapelle erfüllten keinen Zweck mehr und fanden auch die Zustimmung zum Abbruch. Der Gewinn aus der Ruine auf dem Klausberg schien unbedeutend. Sie sollte stehenbleiben. Der Cantonmaire Monecke schlug noch vor, bei der Bergkirche und auf dem Marktplatz Linden anzupflanzen, die Lindenallee nach Osten hin zu verlängern und am Altstädter Kirchhof eine Terrasse anzulegen. Auf dem neuen Friedhof würden sogenannte Trauerweiden einen erhebenden Anblick gewähren.

Schon im September 1811 wurde die Wache am Holzbrückentor abgebrochen. Im Dezember fing man an, den Kreuzgang auf dem Berg, niederzureißen. Anfang Dezember wurden die Beinhäuser auf den Altstädter und Neustädter Kirchhöfen abgerissen.

Immer wieder lenkt das Mainzer Haus in Heiligenstadt die Blicke der zahlreichen Besucher der Stadt auf sich. Das imposante Fachwerkgebäude mit seinem Krüppelwalmdach wird in allen Quellen als das anscheinend älteste Privathaus der Stadt aufgeführt, das den großen Brand von 1739 schadlos überstanden hat. Ehemals für Mainzer Beamte errichtet, galt es als sogenannte: „Freihaus“, d. h. sein Besitzer war von allen Abgabepflichten befreit. Umstritten ist die Zeit seiner Errichtung, nach einer Deutung von Walter Prochoska weist ein Eckbalken im 2. Stock die Jahreszahl 1436 aus. Es wird aber auch schor 1244 als nunmehr bürgerliches Freihaus Nr. 71 erwähnt.



Quelle: Thüringer Tageblatt aus dem Jahre 1981 - Foto: TT/Köckritz



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