Aus dem Archiv: Das Eichsfeld bekommt nun auch einen Stausee
„Im Laufe der letzten 35 Jahre, also seit Bestehen unserer Republik, hat sich das Antlitz unseres Eichsfeldes wie nie zuvor stark verändert. Solche Werke wie der VEB Baumwollspinnerei und Zwirnerei Leinefelde, der VEB Eichsfelder Zementwerke Deuna, der VEB Solidor in Heiligenstadt und die landwirtschaftlichen Großbetriebe prägen heute das Bild unserer Heimat. Trotz allem ist unsere herrliche Landschaft erhalten geblieben, und wir wollen uns ihre Schönheiten bewahren. Ein Mangel, der sich in unserer Gegend abzeichnete, war das Fehlen einer größeren Wasserfläche. Eine solche wird nun entstehen.
Östlich von Birkungen ist der Bau eines Staubeckens so gut wie abgeschlossen. Der Stausee, von der Ohne gespeist, wird eine Größe von ca. 55-60 ha an Fläche haben. Drei Wiesenarme sollen unter Wasser gesetzt werden. Ist das Staubecken gefüllt, so werden ca. 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser in diesem zurückgehalten. Der längste Seitenarm hat eine Länge von ca. 2 km. Die breiteste Stelle beträgt ca. 500 m.
Die großen Investitionen für diesen Bau machten sich aus folgenden Gründen erforderlich:
1. Der Stausee bei Birkungen wird das erforderliche Brauchwasser für den VEB Eichsfelder Zementwerke Deuna liefern.
2. Das gestaute Wasser wird zur Berieselung landwirtschaftlicher Flächen genutzt werden.
3. Der Stau dient als sekundärer Hochwasserschutz.
4. Bei Bedarf kann aus dem See Wasser abgelassen werden, um den Wasserstand der Wipper zu regulieren. Nur dann kann die zentrale Stelle für die Laugenableitung aus dem Kalibergbau in Wipperdorf die notwendigen Mengen an Lauge abgeben.
5. Der Stausee wird zur Fischzucht genutzt. Zunächst ist der Besatz mit Amurkarpfen und Silberkarpfen vorgesehen. Durch die pflanzenfressenden Fischarten soll einer Vergrünung des Sees durch Algen entgegengewirkt werden.
6. Der neue Biotop dient nicht nur der Landschaftsverbesserung, sondern er wird auch zu einer Bereicherung der Vogelwelt des Eichsfeldes beitragen.
Vorgesehen ist, den gesamten See durch einen ca. 10 m breiten Windschutzstreifen zu schützen, der gleichzeitig dem Niederwild Schutz bieten und zur Verbesserung des Artenreichtums an Singvögeln beitragen soll. Auch Wasservögel können dann ohne größere Störungen den See besiedeln. Zur Bepflanzung des Uferstreifens sind vor allem Dornengehölze und Gehölze mit gutem Fruchtbehang und einträglicher Bienenweide vorgesehen. Mit Spannung werden die Freunde der Ornis auf neue Arten im Eichsfeld warten, und sicherlich wird der See zahlreichen durchziehenden Wasservogelarten im Herbst und Frühjahr als Rastplatz dienen.“
Quelle: Eichsfelder Heimathefte 1/85 - Karl Knöchelmann - Bild: Birkunger Stausee 2019 © Thomas Schuster Heiligenstadt