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Aus dem Archiv: Badstube in Heiligenstadt
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Mittwoch 27 Mai 2026 · Lesezeit 4 Minuten
Tags: BadestubeHansteinHeiligenstadt
„In den frühern Jahrhunderten gab es weder in den Landstädten, und noch weniger auf dem Lande, Anstalten zur Verminderung der Krankheiten, und also auch keine bestellte Ärzte oder Apotheker — vielleicht allein darum um das menschliche Leben zu verlängern. Als im Jahr 1611 die Pest auf dem Eichsfelde unter der Bevölkerung allgemeine Verheerung anrichtete, hatte Heiligenstadt noch keinen Stadt-Arzt. Der geistliche Commissarius schrieb damals nach Mainz: hic loci summa penuria medicorum. Erst 1682 erfolgte von den v. H. die Bestellung zweier Chirurgen wegen der eingeschlichenen Contagion. Zur Gesundheitspflege befand sich allein nur die Anstalt der Badstuben, deren man sich zur Erhaltung und Herstellung der Gesundheit bediente. In Heiligenstadt waren deren zwei, wovon die eine ein Lehn der von H. war. Vom 19. Sept. 1596 findet sich ein Notariats-Instrument von dem öffentlichen Notarius Georg Henning zu Heiligenstadt, das den öffentlichen Contractus locationis et conductionis über die alte Badstube betrifft, „so Hansteinisch Eigenthum und der Lehn-Junker Gebrüder und Vettern v. Hanstein Lehn, und gegen dem Rathhause über gelegen ist.“

Gorrius Probst überläßt diese Badstube mit Rath und Beistand seines Vormunds und „uff sonderbare gunstige Verwilligung Ihrer beiderseits Lehn-Junker“ seinem Bruder Baltin Probst auf 4 Jahre um 13 Thlr. jährlichen Zinses, zu gebrauchen und zu bewohnen, jedoch unter ausdrücklicher Condition, daß Baltin sofort 2 Thlr. zu Besserung der baufälligen Badstube anwenden, die Pfanne allein ohne seines Bruders Zuthun bauen, und wöchentlich 6 Groschen an dem verheißenen Zins abgeben soll. Wenn er darin ein oder andere Woche und also ¼ Jahr „hinderstendig“ bleibt, so steht dem Gorrius und seinem Vormund frei, wieder zu der Badstube zu greifen und dieselbe ihres Gefallens zu gebrauchen. Das Hinterhaus an dieser Badstube ist „ausser dieser Meyerstatt“ und bleibt den beiden Brüdern gemeinschaftlich. Weil diese Badstube auch als eine städtische Anstalt galt, so waren zu diesem Vertrag „wegen Raths dazu verordnete Unterhändler“ zugezogen.

Im Jahr 1613 wurde durch den „schleunigen unvorsehenden Todesfall des Hansen Probsten“ dieses Lehn eröffnet, und Johannes Hartung zu Arenshausen meldete sich dazu, da die v. H. ihn das Jahr vorher auf dem Lehntage zu Hohengandern mit einer „Exspectanz auf ein nechst anfallendes Lehngut, mit 150 Thlr. angesehen“ hätten. Hans v. H. zu Besenhausen empfahl ihn auch dazu, als seinen Diener, seinen Vettern am 10. Jan. 1614.

In dem darauf folgenden 30jährigen Kriege war dieses Lehn „fast in abnehmen kommen und baufällig, die Mauern am Wasser zerfallen und die pfanne ganz unbrauchbar worden, also daß die batstube wüste geworden, und in langer Zeit kein bath darinnen gehalten.“ Dies Lehn war im Jahr 1651 im Besitz der Wittwe des Lorenz von Drone, Katharine und ihrer Kinder, und um es denselben und den Lehnherrn zu erhalten, und zugleich die Stadt mit dieser Anstalt zu versehen, vereinigten sich die Wittwe, der Großvater der Kinder, Lorenz von Drone der ältere als Lehnträger und der Rath von Heiligenstadt am Dienstag nach quasimodogeniti 1651, und übertrugen dem Hans Königshauer die verwüsteten Stuben wieder bauen und einrichten und eine neue Pfanne machen zu lassen auf 5 Jahre. Acht Tage nach dem ersten gehaltenen Bade zahlt dann Königshauer 48 Groschen wöchentlich und jede Woche, wozu Lorenz der ältere 20 Gulden beiträgt und der Rath zu Heiligenstadt 50 Gulden zu 40 Groschen Heiligenstädter Wehre vorschießt, wofür die Badstube zum Unterpfand dient. Die zeitigen Lehnherrn Ditmar und Jost v. H. Tilens Sohn, haben darin eingewilligt und neben dem Rath zu Heiligenstadt die Urkunde besiegelt.

Spätere Nachrichten, und wann diese Badstube eingegangen, finden sich nicht.

Quelle: Carl Philipp Emil Freiherr von Hanstein: Urkundliche Geschichte des Geschlechts der von Hanstein in dem Eichsfeld in Preußen (Provinz Sachsen) - Bild: An dieser Stelle in der Heiligenstädter "Alten Stube" befand sich das Badehaus. 2005 © Thomas Schuster Heiligenstadt


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