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Aus dem Archiv: Advent 1915
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Zeitgeschehen · Mittwoch 03 Dez 2025 · Lesezeit 2:45
Tags: Advent
„Gott aber der Hoffnung erfülle auch mit aller Freude und Frieden im Glauben,
daß ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des Heiligen Geistes.“

Röm, 15, 13.

Bußtag und Totenfest liegen hinter uns. Jeder wird von ihm in diesem Jahre mit doppelt schwerem Ernst berührt worden sein. Die Zeit ist zu gewaltig, als daß man sich ihrem Rufe verschließen könnte. Die großen Völkerschicksale, die so tief in die Geschicke unseres eigenen Lebens eingreifen, und das große Sterben in unserer Zeit, das uns nachdrücklich zur eigenen Todesbereitschaft mahnt, treiben den Leichtsinn aus dem Menschenherzen und beugen es tief darnieder. Solche Stimmungen sind ihm sicher notwendig und heilsam.

Trotzdem können wir nicht dauernd bei ihnen verweilen. Das würde der Natur des menschlichen Herzens widersprechen. Dieses richtet sich immer wieder auf, wendet sich nach vorn, der Zukunft entgegen und schöpft wieder neue Hoffnung. Denn so hat Gott es erschaffen. Darum folgt auf das ernste Ende des Kirchenjahres die den Anfang des neuen bildende Adventszeit. Sie soll die Hoffnung in uns wieder beleben und uns mit neuem Lebensmut erfüllen. Denn ohne Hoffnung würden wir keine Freude am Leben und keinen Mut zum Leben mehr haben.

Die Hoffnung ist eine der schönsten Gottesgaben. Wo sie ist, da herrscht Freude und Frieden. Auch in das Dunkel schwerer Zeit bringt die Hoffnung einen hellen Freudenschein; nur wem der Stern der Hoffnung erloschen ist, dessen Trübsalsnacht ist eine völlig dunkle. Die Hoffnung auf Sieg und Heimkehr verleiht dem Krieger wieder neue Kraft, im Kampf und Mühe nicht zu verzagen, sondern auszuharren und seine schwere Kriegsarbeit immer von neuem wieder anzufassen; die Hoffnung auf Frieden und Wiedersehen richtet die sorgenvollen Herzen in der Heimat wieder auf, daß sie unter der schweren Sorgenlast nicht verzweifeln. Wer noch hoffen kann, ist auch im Leben noch wohl daran.

Aber woher nehmen wir die wunderbare Kraft der Hoffnung? Wird nicht manche Hoffnung getäuscht? Hat nicht so mancher, der Trübes und Schweres erlitt, seine Hoffnung begraben? Aus dem Glauben wächst die Hoffnung stets wieder von neuem empor. Die ersten Christen lebten in froher Hoffnung, weil sie einen so starken, lebendigen Glauben hatten. Die Kraft des heiligen Geistes war der Jungbrunnen ihrer Hoffnung. So wollen auch wir aus diesem heiligen Quell schöpfen. Unsere Hoffnung muß im Glauben wurzeln, muß in Gott gegründet sein, auf Gott sich richten, von der Kraft des heiligen Geistes getragen werden, dann steht sie fest, dann werden wir eine „völlige Hoffnung" haben, das heißt eine solche, die nicht unsicher und ungewiß ist und einem schwankenden Rohre gleicht, sondern fest und unerschütterlich in die Zukunft schaut in der Gewißheit, daß aus ihrem Schooße Frieden, Heil und Segen geboren werden wird. Wie einst nach der Zeit des großen Weltadvents die Hoffnung der Menschheit in Erfüllung ging, so wird Gott auch unser Adventshoffen mit Erfüllung krönen. Setzten wir nur unsere Hoffnung auf ihn! Er wolle uns durch die Kraft seines Heiligen Geistes ausrüsten mit völliger Hoffnung!“

Quelle: Heimatglocken 12/1915 - Bild: Waffeninspektion und Gruppenbild aufs dem Fundus Franz Baders (bearbeitet durch KI)



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