Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

© Thomas Schuster Heiligenstadt
Direkt zum Seiteninhalt

Aus dem Archiv: „Chausseegeld erhoben“

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · 21 Juli 2020
Tags: ChausseehausGeisleden
"Nach dem großen Brand in Heiligenstadt im Jahre 1739 begann der Chausseebau, mit dem bessere Straßenverhältnisse für die Postkutschen und Frachtwagen geschaffen wurden. Die hauptsächlichsten Verbindungen führten nach Göttingen und Mühlhausen, wobei Heiligenstadt ein wichtiger Knotenpunkt nach allen Richtungen war.

Wie der evangelische Lehrer, Martin Kritzmann im vorigen Jahrhundert in seinen Aufzeichnungen berichtete, war die Durchreise über die Eichsfeld-Metropole lohnend. Über Nacht standen um 1820 am Berg bei der Martinskirche oftmals, 15, 20 oder auch 30 Frachtwagen herum, und die Handelsleute logierten in einer der zahlreichen Gasthöfe, die es in der Stadt gab. Die heutige B 80 bekam im Laufe der Jahrhunderte und Jahrzehnte immer größere Bedeutung.

Als letzter Zeuge einer vergangenen Epoche wurde um 1900 der Gastwirt Johannes Dröder von der Gaststätte „Zur Erholung“ bei Bodenrode an der Chaussee von Heiligenstadt nach Leinefelde bezeichnet. Er starb am 18. Oktober 1905 im hohen Alter von 92 Jahren. Von seinen Zeitgenossen wurde er liebevoll als Eichsfelder Original angesehen. Seine Gäste, die ihn mit dem „Stengelpeter“ in der Gaststube sahen, hörten ihm gern zu, wenn er humorvoll aus seinem Leben erzählte. Am liebsten berichtete er von den vielen Kaufleuten, die mit ihren Wagen die Handelsstraße von Frankfurt nach Leipzig befuhren und in der „Erholung“ Rast machten. Manche lustige Begebenheit tischte er schmunzelnd auf aus jener Zeit, als noch Chausseezoll erhoben wurde.

So gab es, wie alte Zeitungen verraten, bei Geisleden, Schönau und Beuren Chausseegeld-Hebestellen, die zur Pacht angeboten wurden. So sollten sich Interessenten für Beuren zum 1.7.1864 melden. Jeder Bieter musste 100 Taler für die Lizenz erbringen. Vetter Johannes erinnerte sich gern an jene Zeit und war betrübt, dass durch den Bahnbau das Ende der vorbeiziehenden Frachtwagen angebrochen war."

© Thomas Schuster Heiligenstadt

Quelle: Allgemeiner Anzeiger vom 5.2.2003, tz - Bild: © Thomas Schuster 2019



Zurück zum Seiteninhalt