Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

© Thomas Schuster Heiligenstadt
Direkt zum Seiteninhalt

Aus dem Archiv: „Chausseegeld-Einnehmerhaus“

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Heiligenstadt · 22 Mai 2020
Tags: GeislederTor
Es wurde vermutlich unter Napoleons Herrschaft erbaut

„Betrachter des renovierten Wohnhauses Geisleder Tor Nr. 1 ahnen nicht, daß es sich um ein Gebäude mit historischer Vergangenheit handelt. Wenn Steine reden könnten ... Sie würden Aufschluß geben, worüber heute noch Vermutungen angestellt werden, beispielsweise auch darüber, wann dieses Haus gebaut worden ist. Es ist als Chausseegeld-Einnehmerhaus entstanden. Vermutlich in den Jahren zwischen 1806 und 1812. Das war die Zeit, in der das Eichsfeld unter napoleonischer Herrschaft stand.

Heiligenstadt war damals Hauptstadt des Harzdepartements, zu dem auch Nordhausen, Mühlhausen und andere Städte gehörten. Der Präfekt regierte im Heiligenstädter Schloß, dem Sitz des heutigen Rates des Kreises. Napoleon hat für den Ausbau und die Erweiterung und Unterhaltung des Straßenwesens viel getan. Er stellte an seine Präfekten und die wieder an die Untertanen hohe Anforderungen.

Aber bereits im Jahre 1804, als Heiligenstadt noch preußisch war, gab es schön Pläne zur besseren Einrichtung des Eichsfelder Chausseewesens. Baudirektor Kriegsrat Gartschok war von der Regierung beauftragt, nähere Vorstellungen zu entwerfen. Dieser Plan enthielt u. a. auch den Bau von Einnehmer- und Wartehäuschen. Das war etwas völlig Neues. Bis dahin gab es so etwas noch nicht. Das ganze war natürlich auch eine Geldangelegenheit. Auf jede viertel Meile sollte ein Wärter angestellt sein, der die Gebühren einnahm, die die Fuhrleute zu entrichten hatten. In den Einnehmerhäusern sollte auch eine Wohnung für den Wärter enthalten sein. In Heiligenstadt entschloß man sich, dieses Haus vor dem Geisleder Tor zu errichten.

Inzwischen hat es seinen Besitzer mehrmals gewechselt. 1847 wurde es infolge eines Erbrezesses den Eheleuten Lange übereignet, denen die vor dem Geisleder Tor gelegenen Ziegelhütten gehörten. Seit 1889 ist es in Besitz der Familie Eckart, die im Jahre 1924 den Mittelgiebel aufstockte, wodurch das Haus sein heutiges Aussehen erhielt.“

heiligenstadt.net

Quelle: Thüringer Tageblatt 1979, Egon Grohmann – Bild: Das ehemalige „Zollhaus“ am Geisleder Tor/Ecke Leineberg. Foto: K. H. Fütterer



Zurück zum Seiteninhalt