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Anekdote über den Dichter Christoph Martin Wieland
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Thüringen · Samstag 29 Aug 2026 · Lesezeit 2 Minuten
Tags: WeimarWieland
Eine berühmte Anekdote über den Dichter Christoph Martin Wieland erzählt von einem Diener, der sich verhörte und den Dichter um dessen „Oberrock“ anstelle seines berühmten Versepos Oberon bat. Die Begebenheit zeigt den schalkhaften Humor im klassischen Weimar.

Ein Botengänger oder Bediensteter kam zum Hofrat Wieland gelaufen. Er richtete aus, sein Herr erbitte sich Wielands „Oberrock“. Wieland wunderte sich sehr, gab den Mantel aber scherzhalber heraus. Kurz darauf kam der Diener kreideblass und beschämt zurück. Er klärte den Irrtum auf: Gemeint war nicht der Mantel, sondern das Buch Oberon.

Oberon (1780) von Christoph Martin Wieland ist ein Epos in 12 Gesängen, dass Elemente der mittelalterlichen Ritterdichtung mit der Feenwelt Shakespeares verbindet.

Der fränkische Ritter Hüon von Bordeaux tötet aus Versehen den Sohn Karls des Großen. Zur Strafe schickt der Kaiser ihn auf eine schier unmögliche Mission nach Babylon: Er muss den Kalifen von Bagdad am Pranger töten, dessen Tochter Rezia küssen und dem Kalifen vier Backenzähne sowie einen Handvoll Barthaare rauben.

Auf dem Weg nach Orient trifft Hüon auf Oberon, den König des Elfenreichs. Oberon beschenkt ihn mit einem Zauberhorn (das Bösewichte zum Tanzen zwingt) und einem magischen Becher. Oberon hilft jedoch nicht ohne Eigeninteresse: Er liegt im Streit mit seiner Frau Titania und hat geschworen, sich erst wieder mit ihr zu versöhnen, wenn ein Menschenpaar trotz aller Prüfungen in absoluter Treue zueinandersteht.

In Bagdad verlieben sich Hüon und die Kalifentochter Rezia (später Amanda genannt) ineinander. Hüon erfüllt mit Oberons Hilfe die Aufgaben des Kaisers und flieht mit Rezia per Schiff. Unterwegs brechen die Liebenden ein keuschheitsgelobtes Tabu, woraufhin Oberon das Schiff stranden lässt. Das Paar durchlebt schwere Prüfungen: Rezia wird von Piraten entführt, beide landen als Sklaven in Tunis und sollen auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden, weil sie den Versuchungen des dortigen Sultans und dessen Frau widerstehen.

Durch ihre Standhaftigkeit und bedingungslose Treue lösen Hüon und Rezia den Fluch Oberons. Er rettet sie im letzten Moment vom Scheiterhaufen. Oberon und Titania versöhnen sich, und Karl der Große verzeiht Hüon schließlich.

Quelle: Eigene Aufzeichnungen - Bild: Gemälde Weilands 2026 Anna Amalia Bibliothek Weimar 2026 © Thomas Schuster Heiligenstadt


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